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Schallschutz-Kompendium der Gütegemeinschaft Kulissenschalldämpfer e.V.

"Grundlagen der akustischen Auslegung lufttechnischer Anlagen"

Autor: Dipl.-Ing. Diethard Niehoff, RAL Gütegemeinschaft Kulissenschalldämpfer

 

1.       Stellenwert des Schallschutzes bei der Planung lufttechnischer Anlagen
 
2        Grundlagen und Begriffe
2.1     Schallwelle
2.2     Schallempfinden des Menschen
2.2.1  Schalldruckpegel
2.2.2  Lautstärke
2.2.3  A - Bewertung
2.2.4   Spektrum
2.2.5  Schallabstrahlung, Schalleinwirkung, Beurteilungspegel
2.3     Schallleistung - Schalldruck
2.4     Pegeladdition (mehrere Schallquellen)
2.5     Schallausbreitung
2.5.1   ...im Freien
2.5.2   ...in Räumen
2.6.    Schalldämmung, Schalldämpfung

3.       Schallentstehung und Schallausbreitung in lufttechnischen Anlagen
3.1     Typische Ventilatorenspektren
3.2     "Natürliche" Dämpfung von Anlagenbauteilen
3.3     Strömungsgeräusche
3.4     Schallübertragung über Kanalwände
3.5     Maximale Pegel am Einwirkungsort

4.       Schallschutzmaßnahmen
4.1     Geräuschursachen
4.2     Einsatz von Schalldämpfern
4.3     Häufige Planungsfehler

5.       RAL Gütegemeinschaft Kulissenschalldämpfer

6.       Normen- und Literaturhinweise

 

 

1. Stellenwert von Schallschutzmaßnahmen bei der Planung lufttechnischer
Anlagen


Die Aufgabe von RLT-Anlagen besteht in der Bereitstellung eines angenehmen
Raumklimas. Wird der Geräuschpegel einer Anlage als störend empfunden, so ist trotz
exakter Einhaltung der Raumluftparameter, wie Temperatur, Feuchte und
Rauströmungsgeschwindigkeit keine Zufriedenheit beim Nutzer zu erwarten. Niedrige
Geräuschpegel sind deshalb ein untrennbarer Bestandteil der Behaglichkeit und
erfordern bei der Planung die gleiche Aufmerksamkeit, wie die "klassischen"
Raumluftparameter.
Werden Anwohner durch die Lufttechnik belästigt, so können Umweltbehörden den
Betrieb der Anlage bis zur Beseitigung des Lärmproblems untersagen. Die Stillegung
derartiger Anlagen kann erhebliche finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen.
Grundsätzlich sollte deshalb bei der Planung der Anlage auf alle in Betracht kommenden
Lärmquellen geachtet und ein möglichst niedriges Geräuschniveau angestrebt werden.
Die Anzahl der Fälle, bei denen die geforderten Schallpegel nicht eingehalten werden, ist
erschreckend hoch. Aber auch bei Einhaltung der Grenzwerte steht die Anlage häufig
unter Kritik, sobald überhaupt ein Geräusch hörbar ist. Zwar besteht in diesen Fällen nicht unbedingt die Pflicht zur Nachbesserung, die Unzufriedenheit aber bleibt. Bei Räumen mit Ruheanspruch sollte deshalb im Interesse einer positiven Beurteilung der RLT- Anlage die Auslegung der Schallschutzmaßnahmen auf den unteren Grenzwert der in DIN EN 13779 als "üblichen Bereich" gekennzeichneten Spanne erfolgen. Dies ist häufig keine Kostenfrage, sondern durch fachgerechte Planung und Ausführung erreichbar.
Das vorliegende Schallschutz-Kompendium erklärt wichtige Grundbegriffe der Akustik, die im Zusammenhang mit Schallschutzmaßnahmen, insbesondere bei der Auslegung von
Schalldämpfern benötigt werden und weist auf häufige Fehlerquellen hin. Ziel ist dabei
eine anschauliche, praxisnahe Darstellung. Zwangsläufig muss im Interesse der
Verständlichkeit auf bestimmte Details verzichtet werden. Auf die Gültigkeitsgrenzen
vereinfachter Zusammenhänge wird hingewiesen.

2.      Grundlagen und Begriffe
2.1    Schallwelle


Bild 1 Schallwelle
In halligen Räumen kann es zu einer ungleichmäßigen Schalldruckverteilung durch "stehende Wellen" kommen, besonders kritisch: Wandabstand =(tiefe Frequenzen)


Bild 2 stehende Wellen in halligen Räumen (Quelle: www.hunecke.de)

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2.2 Schallempfinden des Menschen
2.2.1 Schalldruckpegel


Der Schall ist ein dem atmosphärischen Luftdruck überlagerter Wechseldruck und kann
(ähnlich der elektrischen Wechselspannung) als Effektivwert angegeben werden. Die SI-
Einheit für den Druck ist das Pascal (Pa).


Bild 3 Schalldruck und Hörempfinden
Zwischen dem leisesten, gerade noch vernehmbaren Geräusch und einem,
Schmerzempfinden verursachenden Geräusch, überstreicht die Schalldruckskala in Pa
etwa sechs Zehnerpotenzen. Die Handhabung der Zahlenwerte mit der Maßeinheit "Pa"
ist daher umständlich. Deshalb wird der logarithmische Maßstab bevorzugt. Die
Umrechnung erfolgt nach der Gleichung:


Pa ist der sog. Bezugsschalldruck. Der Wert "0 dB" entspricht etwa dem
kleinsten, noch wahrnehmbaren Schalldruck.

Vorteile des dB- Maßes sind:

  • Zahlenangaben mit vielen Kommastellen oder mit Zehnerpotenzen entfallen, da bei
    Schallschutzaufgaben i.a. auf ganze dB gerundet werden kann.
  • Das Schallempfinden wird beim logarithmischen Maß besser beschrieben, als mit der Maßeinheit "Pa": So entsprechen 10dB Pegelerhöhung etwa der doppelten
    Lautstärke, gleichgültig bei welchem Schalldruckpegel man die Betrachtung anstellt.
    Zusätzlich werden Pegelrechnungen erleichtert (einfache Addition der Pegel).

Hinweis: Das dB ist keine Maßeinheit im üblichen Sinn, sondern drückt das (logarithmierte) Verhältnis einer Maßgröße zu einer Bezugsgröße aus und ist (eigentlich) dimensionslos. Auch die Schallleistung, die Dämpfung und andere physikalische Größen werden mit ?dB? beschrieben, es gelten dann andere Bezugsgrößen.
Die Bezugsgröße wird häufig stillschweigend vorausgesetzt, in manchen Fällen aber auch angegeben, z.B. Lp: sound pressure re (2x 10-5) Pa oder Lw: sound power in dB re W


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2.2.2 Lautstärke



Bild 4 Kurven gleicher Lautstärke nach Robinson-Dadson (1956)

Das Schallempfinden wird nicht nur von der Höhe des Schalldruckpegels sondern auch
von der "Tonhöhe", also der Frequenz, bestimmt. Mittlere und hohe Töne werden vom Ohr besser wahrgenommen, als die tiefen Töne. Zusätzlich ist diese Tendenz vom
Schalldruckpegel abhängig, so daß sich eine recht komplizierte Kurvenschar ergibt. Jeder
Kurve gleicher Lautstärke ist eine Maßzahl mit der Maßeinheit "Phon" (=Pegel bei
1000Hz) zugeordnet. Das Phon konnte nicht durchsetzen, da eine exakte Nachbildung
der Kurven an den damaligen messtechnischen Möglichkeiten scheiterte.

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2.2.3 A - Bewertung
Wegen der Kompliziertheit der Kurven gleicher Lautstärke wurde nach einem einfacheren Bewertungsmaßstab gesucht. Es entstand die A - Bewertungskurve, die den Verlauf der Hörkurven näherungsweise widerspiegelt.
Durch Anwendung der Bewertungskurve und Bildung des Summenpegels über alle
Frequenzen wird aus dem Geräuschspektrum eine praktische -Einzahlangabe-
gewonnen, die dem Lautstärkeeindruck näherungsweise entspricht. Jeder Schallpegelmesser ist mit solchen Bewertungsfilter ausgestattet.
Wegen der einfachen Handhabung dieser -Einzahlangabe- hat sich das dB(A) weltweit
durchgesetzt. In Deutschland wird die A- Bewertung nahezu ausschließlich verwendet.


Bild 5 A-Bewertungskurve und Gleichungen zur Bildung des Summenpegels
Hinweise:

  • Der Verlauf der A-Bewertungskurve ist tendenziell umgekehrt zu den Hörkurven, da die A-Bewertungskurve quasi die Rechenvorschrift darstellt: Diese Werte müssen zum unbewerteten Schalldruckpegel addiert werden, um die gehörrichtige Bewertung durchzuführen.
  • Auch die Schallleistung kann A-bewertet werden. Die Maßeinheit dB(A) bedeutet also nicht unbedingt, daß ein Schalldruckpegel angegeben wird. Man erkennt dies nur, wenn die Bezugsgröße (Schalldruck in Pa, Schallleistung in Watt) oder der Index (LpA für Schalldruck, LwA für Schallleistung) oder eine Textpassage darauf hinweist!
  • Es gibt auch B,C und D- Bewertungskurven, deren Anwendung in bestimmten Situationen (z.B.Fluglärm) die Lautstärkeabhängigkeit der Hörkurven besser widerspiegeln sollen. Diese Bewertungskurven haben sich jedoch kaum durchsetzen können.
  • In einigen Fällen bzw. Ländern werden sog. NC oder NR - Kurven zur Bewertung genutzt. Diese Kurven sind nicht eindeutig in die A-Bewertung überführbar. Näherungsweise gilt für breitbandige Geräusche:
    Für gedämpfte Geräusche gilt diese Näherung nicht. Es ist das Spektrum mit der Grenzkurve zu vergleichen.
  • Das dB(A) steht unter der Kritik, die Lästigkeit tieffrequenter Geräusche , wie sie auch bei RLT-Anlagen häufig vorzufinden sind, nur unzureichend zu charakterisieren, siehe DIN 45680.

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2.2.4 Spektrum
So praktisch das dB(A) auch ist - um ein Geräusch insbesondere im Hinblick auf
Schallschutzmaßnahmen zu charakterisieren, reicht das "dB(A)" nicht aus.

Die Zeitfunktion des Schalldrucks, wie sie beispielsweise mit einem Oszilloskop
sichtbar gemacht werden kann, ist für die Beurteilung eines Geräuschs ebenfalls
ungeeignet, da aus dem Verlauf nur sehr begrenzt Rückschlüsse gezogen werden
können. Das Frequenzspektrum hingegen gibt Aufschluss, bei welchen Frequenzen ein
Geräusch besonders hohe Pegel aufweist. Schallschutzmaßnahmen können dann
speziell auf diese Störpegel ausgelegt und somit deutlich effektiver gestaltet werden.

Dazu wird das Geräusch durch mehrere, auf der Frequenzskala dicht beieinanderliegende
Bandpassfilter geschickt. Je nach Bandbreite wird zwischen Oktavspektrum,
Terzspektrum und Schmalbandspektrum unterschieden. Je schmaler die Bandbreite desto mehr Details treten hervor, allerdings werden Pegelrechnungen für die Planung
zunehmend komplizierter. In der Lärmschutzpraxis werden deshalb überwiegend
Oktavspektren zur Berechnung genutzt, wobei häufig in Terzen gemessen und dann auf
Oktavpegel umgerechnet wird.




Bild 6 Zeitfunktion des Schalldrucks und zugehörige Spektren
Bild 6 zeigt das gleiche Signal in unterschiedlicher Darstellungsweise: Als Zeitfunktion,
als Oktavspektrum, als Terzspektrum und schließlich die FFT (1Hz-Bandbreite).

Das Oktavspektrum ist als Grundlage jeder fachgerechten Schallschutzplanung
unentbehrlich. Diese Daten werden vom Gerätehersteller zur Verfügung gestellt oder sind
durch Messungen zu ermitteln.
Die Analyse von Lärmursachen erfordert in kritischen Fällen ein Terz- oder gar
Schmalbandspektrum. In Bild 6 zeigt die Schmalbandanalyse (FFT), dass es sich um
einen 50-Hz-Ton handelt, der den Pegel maßgeblich bestimmt.
Das dB(A) hingegen liefert keine Informationen über das Klangbild des Geräusches. Es ist also nicht erkennbar, bei welchen Frequenzen eine Schallschutzmaßnahme wirksam sein muss. Das dB(A) wird zur Beurteilung der Einhaltung von Grenzwerten nach dem Bundes-Emissionschutzgesetz (TA-Lärm) verwendet.

Hinweis: Bei diesen Angaben ist darauf zu achten, ob die Oktavpegel unbewertet vorliegen oder bereits mit einer A-Bewertung angegeben werden. Im letzteren Fall darf die A-Bewertung für die weitere Verwendung in einer Pegelrechnung nicht ein zweites mal erfolgen. Bereits A-bewertete Spektren fallen i.a. zu tiefen Frequenzen stark ab und als Maßeinheit der einzelnen Oktavpegel - hier ist nicht der Summenpegel gemeint - wird dB(A) angegeben. Hier passieren häufig Fehler, im Zweifelsfall nochmals beim Hersteller vergewissern!

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2.2.5  Schallabstrahlung, Schalleinwirkung, Beurteilungspegel


Bild 7 Kenngrößen der Schallabstrahlung und -einwirkung
Eine Lärmquelle strahlt eine Schallleistung ab (=Schallemission), die an einem entfernten
Punkt zu einer Schalleinwirkung (=Schallimmission) auf das Ohr des "Empfängers" führt.

Die Kenngröße der Schallabstrahlung ist die Schallleistung. Die Bestimmung der
Schallleistung geschieht durch Messungen des Schalldrucks auf einer Hüllfläche im
Freifeld oder in Hallräumen. Bei Messungen mit spezieller (Intensitäts) -Messtechnik ist
eine normgerechte Schallleistungsbestimmung auch in "normaler" Messumgebung
möglich. In jedem Fall aber wird die Schallleistung aus Messwerten berechnet, lässt sich
also nicht direkt am Messgerät ablesen oder vom Ohr wahrnehmen. Anders der
Schalldruck: Er sorgt für das Schwingen der Mikrofonmembran oder des Trommelfells und ist somit direkt mess- bzw. wahrnehmbar.
Ersatzweise kann für die Schallleistung auch der Schalldruck in Verbindung mit einer
Entfernungsangabe herangezogen werden. Dies geschieht in den Fällen, wo eine bereits
installierte Anlage überprüft wird. Eine Schallmessung ohne Angabe der Messumgebung,
insbesondere der Entfernung, ist wertlos.

Ob sich eine Person durch ein Geräusch belästigt fühlt, ist stark subjektiv und nicht allein
von der Lautstärke abhängig. Um dennoch ein Kriterium für die Lästigkeit zu schaffen, das die Lärmsituation ausreichend kennzeichnet, werden zum mittleren Schalldruckpegel, der während einer vorgeschriebenen Meßzeit gewonnen wird, Zuschläge addiert, welche die Lästigkeit berücksichtigen sollen. Die Summe von gemessenem Dauerschallpegel und
Zuschlägen bilden den Beurteilungspegel, der für die TA-Lärm maßgeblich ist.
Das Messverfahren zur "Ermittlung von Beurteilungspegeln..." nach DIN 45645 ist
kompliziert und die Deutung in Übereinstimmung mit der TA - Lärm bleibt im Normfall den Schallschutz-Experten vorbehalten. So ist die Konsultation eines zugelassenen
Schallschutzbüros anzuraten, insbesondere wenn ein Rechtsstreit nicht auszuschließen
ist.
In weniger kritischen Fällen und bei zeitlich konstanter Schalleinwirkung kann der
Beurteilungspegel gebildet werden, indem der Schalldruckpegel am Immissionsort
(Nachweisort) während einer typischen Betriebsweise der RLT- Anlage mit einem
kalibrierten Schallpegelmesser erfasst wird. Ist im Geräusch deutlich ein Ton (z.B.
Drehklang) zu hören, werden 3dB, in Extremfällen 6 dB zum Meßwert addiert. Ein weiterer Zuschlag von 6dB(A) wird für Wohngebiete erhoben, wenn die Anlage zu "Tageszeiten mit erhöhter Empfindlichkeit" betrieben wird (siehe 3.5).
Bei Messungen "vor Ort" ist also zu beachten, dass der angezeigte Messwert häufig noch
mit Zuschlägen korrigiert werden muss und erst dann für die Beurteilung der Lärmsituation herangezogen werden darf.

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2.3 Schallleistung - Schalldruck
Die Schallleistung ist eine Eigenschaft der Schallquelle. Die Schallleistung bleibt auch
dann gleich, wenn die Schallquelle an einem anderen Ort aufgestellt wird.
Der Schalldruck ist vom Messort abhängig.
Anschaulich wird der Unterschied in der folgenden Analogiebetrachtung:

Bild 8 Schallleistung - Schalldruck (Analogiebetrachtung)

Die Leistung des Elektroheizers ist unabhängig vom Aufstellungsort stets gleich, die
Wirkung (Temperatur) an einem bestimmten Ort jedoch von den Umgebungsbedingungen und der Entfernung abhängig. In analoger Weise erzeugt eine Schallquelle mit gleicher Schallleistung in einem kleinen schallharten Raum einen deutlich höheren Schalldruckpegel als in einer großen Halle oder in einem Raum mit dämpfenden
Einrichtungsgegenständen.
Zur Bestimmung der Schallleistung sind definierte Meßbedingungen erforderlich.
Normgerechte Messungen werden deshalb im Hallraum oder im reflexionsarmen
(="schalltoten") Messraum durchgeführt.

Hinweise:

  • Die Schallleistung wird - wie auch der Schalldruck- in dB angegeben. Hieraus ergibt sich eine große Verwechslungsgefahr! Zur Unterscheidung zum Schalldruckpegel (=Lp) lautet das Formelzeichen für die Schallleistung Lw.
  • Es ist gebräuchlich, sowohl den Schalldruck als auch die Schallleistung A - bewertet anzugeben (Formelzeichen dann LPA für Schalldruck und LWA für die Schallleistung).
  • Zum Schalldruck gehört stets die Angabe der Entfernung bzw. des Messortes!
  • Unter Praxisbedingungen bereitet die Bestimmung der Schallleistung erhebliche Schwierigkeiten: Häufig ist der Nachweis der Schallleistung eines Aggregates im Einbauzustand auf Baustellen nicht durchführbar. Eine Möglichkeit, die geringere Ansprüche an die Messumgebung stellt, ist das Intensitätsmessverfahren. Dieses Verfahren erfordert jedoch eine spezielle Messtechnik.

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2.4 Pegeladdition (mehrere Schallquellen)

Bild 9 Pegeladdition

Die Addition gleichlauter Schallquellen geschieht nach obiger Formel, wobei
vereinfachend davon ausgegangen wird, dass die Schallquellen zu einer einzigen,
punktförmigen Schallquelle verschmelzen.
Bei unterschiedlichen Quellen kann pragmatisch so vorgegangen werden, indem alle etwa
gleichen Quellen nach der obigen Vorschrift zusammengefasst, deutlich leisere aber
vernachlässigt werden. Als "etwa gleich" sind Quellen mit einer Pegeldifferenz von < 5 dB
zu verstehen.

Hinweis: Die obige Verfahrensweise gilt sowohl für die Addition von Schallleistungen als auch für die Überlagerung von Schalldruckanteilen an einem Nachweisort. Im letzteren Fall ist vor der Addition der Anteile deren Betrag unter Berücksichtigung der Entfernung zu berechnen (s.a. nächster Abschnitt).Die Vorschrift findet beispielsweise Anwendung für Strömungsgeräusche von mehreren Luftdurchlässen.Die Addition nach Auslassanzahl gilt jedoch nicht für die vom Ventilator in den Raum übertragene Schallleistung, da diese nur auf mehrere Auslässe aufgeteilt wird. Wirken auf den Raum zwei Anlagen ein, z.B. Zu- und Abluft, so sind die Leistungen der Anlagen zu addieren (+ 3 dB bei gleicher Leistung).

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2.5 Schallausbreitung
2.5.1 ...im Freien


Bild 10 Schallausbreitung im Freien

Für zahlreiche Anwendungsfälle kann die recht aufwendige Berechnung der Schallausbreitung im Freien durch Vernachlässigung der Umwelteinflüsse (gültig bis ca.
200m Abstand von der Schallquelle) sowie unter Annahme einer ungerichteten Abstrahlung vereinfacht werden:


Bild 11 Schallausbreitung im Freien - Kugelwelle

Die Richtwirkung sollte allerdings insbesondere bei Rohrmündungen oder in der Wand
eingebauten Axialventilatoren mit einem Sicherheitszuschlag von 5 dB berücksichtigt
werden. Ebenso führen reflektierende Gebäudewände zu einer Erhöhung des Pegels
(näheres siehe ISO 9613).

Hinweise:
Die häufig sorglos angewendeten "8 dB in 1 m Entfernung" gilt also nur im Freifeld und halbkugelförmiger Ausbreitung. In halligen Räumen kann dies nicht vorausgesetzt werden.
Die Differenz eines in Entfernung r1 gemessenen Pegels zu dem in einer Entfernung r2 geschieht mit 20 lg (r1/r2). Bei Entfernungsverdopplung beträgt der Pegelunterschied demnach 20 lg 2 = 6 dB (kugelförmige Ausbreitung).

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2.5.2 Schallausbreitung in Räumen

Die exakte Berechnung des Schalldrucks in Räumen ist sehr komplex und scheitert
bereits an genauen Vorgaben für den Absorptionsgrad der Einrichtungsgegenstände.
Zusätzliche Probleme bereitet die Raumgeometrie und die Anordnung der absorbierenden Flächen. Auch hier kann eine vereinfachende Modelldarstellung helfen: das diffuse Schallfeld. In Räumen nimmt der Direktschall mit zunehmender Entfernung von der Schallquelle zunächst ab, der Schalldruck bleibt dann im übrigen Raum etwa konstant. Mit wachsender Entfernung überwiegt der von allen Seiten reflektierte Schall (diffuses Schallfeld).
In sehr kleinen, halligen Räumen stellt sich ein Schalldruck ein, der gleich, oder im
Extremfall, sogar höher als der Schallleistungspegel liegt.


Bild 12 Schallausbreitung in Räumen

In Quellennähe überwiegt der Direktschall. Schallschutzmaßnahmen durch absorbierende
Raumflächen wirken sich im Bereich des Direktschalls kaum aus. Der Bediener einer
lärmintensiven Maschine z.B. profitiert von derartigen Maßnahmen also nur wenig. Ab
einer bestimmten Entfernung überwiegt der von den Wänden reflektierte Anteil. Der
Abstand, an dem Direktschall und reflektierter Schall gleich sind, wird als Hallradius
bezeichnet. Erst in deutlichem Abstand vom Hallradius werden Raumdämpfungsmaßnahmen voll wirksam. Der Schalldruckpegel im diffusen Schallfeld wird von der Schallleistung der Quelle und der im Raum vorhandenen äquivalenten Absorptionsfläche A bestimmt. Die äquivalente Absorptionsfläche ist eine Rechengröße, die aus der Summe der schallabsorbierenden Teilflächen des Raumes gebildet wird und den 100%-ig absorbierenden Flächenanteil des Raumes repräsentiert.


Bild 13 Schalldruckpegel im diffusen Schallfeld

Hinweise:

  • Die "Pegelabnahme" im obigen Diagramm wird auch als "Raumdämpfung" bezeichnet. Dieser Betrag ist von der Schallleistung zu subtrahieren, um den Schalldruckpegel zu berechnen.
  • Ein diffuses Schallfeld bildet sich streng genommen nur in "kubischen" Räumen aus, deren
    Kantenlängen sich nicht mehr als um den Faktor 3 unterscheiden und deren mittlerer Absorptionsgrad niedrig ist. Für spezielle Raumtypen gibt es z.T. aufwendige Berechnungsverfahren (VDI 3760).

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2.6. Schalldämpfung, Schalldämmung

Schalldämpfung wird durch Stoffe mit schallabsorbierenden Eigenschaften bewirkt. Die
durch den Schall bedingten Schwingungen der Luftmoleküle werden im porösen
Absorptionsmaterial abgebremst. So wird die Schallenergie letztlich in Wärmeenergie
umgewandelt. Die Kenngröße der Absorption ist der Schallabsorptionsgrad.
Unter Schalldämmung ist die Behinderung der Schallausbreitung durch eine
geschlossene Wand zu verstehen. Der Vorgang basiert in erster Linie auf der Reflexion
der Schallwelle auf der Quellenseite. Die Wand wird durch den Schalldruck zu
Schwingungen angeregt und ein Teil der Schallenergie auf der abgewandten Seite als
Schall wieder abstrahlt. Das Verhältnis von auffallender zu abgestrahlter Schallleistung
wird als Schalldämm-Maß bezeichnet.
Die Begriffe Dämpfung und Dämmung werden häufig falsch gebraucht. Es ist es jedoch
wichtig, bei Lärmbekämpfungsmaßnahmen die physikalischen Unterschiede zu
berücksichtigen:
Für eine hohe Luftschalldämpfung ist ein offenporiges Material erforderlich, dass gut an
das Schallfeld angepasst ist. Das geschieht durch Auswahl eines Absorberwerkstoffes mit bestimmtem inneren (längenspezifischem) Strömungswiderstand und geeigneter
Packungsdicke.
Gute Schalldämmung hingegen wird erzielt, wenn eine Wand möglichst schwer und
biegeweich ist. Ein hohes Schalldämm-Maß wird also in erster Linie durch hohe
flächenbezogene Masse oder Doppelwandkonstruktionen erzielt.

Hinweise

  • Absorber haben zwar gute Wärme- aber schlechte Schalldämmeigenschaften. Umgekehrt sind
    wärmeisolierende Materialien, wie sie häufig für die Rohrleitungsisolierung benutzt werden, aufgrund geringer Masse nur wenig zur Schalldämmung geeignet. Für wirksame Schallisolierung ist deshalb ein zusätzlicher Blechmantel auf die Absorberschicht erforderlich.
  • Der Schallabsorptionsgrad kann Werte zwischen 0 (keine Absorption) und 1 (vollständige Absorption) annehmen und ist zusätzlich von der Dicke des Materials abhängig. Werte größer 1 bei Herstellerangaben sind durch das Messverfahren bedingt und eigentlich unsinnig.

Häufig wird für Wände das sog. "Bewertete Bauschalldämmmaß" angegeben. Hierbei
handelt es sich in Analogie zur A-Bewertung des Luftschalls um eine "Einzahlangabe", die
nach einem bestimmten Bewertungsverfahren gebildet wird (DIN 4109) und den Vergleichder Eigenschaften von Trennwänden im Hochbau vereinfacht.

  • Einfügungsdämm-Maß Pegeldifferenz mit und ohne Schallschutzkapsel
  • Einfügungsdämpfungsmaß: Pegeldifferenz mit und ohne Schalldämpfer

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3. Schallentstehung und Schallausbreitung in RLT-Anlagen

Bild 14 Modell "Schallerzeugung, Dämpfung, Ausbreitung"

Das Modell "Ursache - System - Wirkung" ist mitunter nützlich bei der Fragestellung, ob
mit bestimmten Angaben eine Berechnung, z.B. der erforderlichen Dämpfung, möglich ist.
Grundsätzlich müssen zwei der Modellgrößen bekannt sein, um die dritte zu berechnen.
Sind die Ursache (die Schallleistung des Ventilators) und der zu erzielende Pegel am
Einwirkungsort bekannt, so kann damit die erforderliche Systemdämpfung berechnet
werden.
Unter Systemdämpfung sind alle pegelmindernden Einflüsse einschließlich der
"natürlichen" Dämpfung von Luftleitungsbauteilen und der Schallausbreitung in Räumen
oder im Freien zu verstehen. Werden diese Einflüsse nicht berücksichtigt, so muss die
gesamte Differenz zwischen dem Ventilatorpegel und dem zu erzielenden Schallpegel am
Nachweisort vom Schalldämpfer erbracht werden. Dies führt zu unnötig großen
Schalldämpfern und hohen Betriebskosten (Druckverlust!). Eine fachgerechte Auslegung
der Schalldämpfer erfordert deshalb eine Pegelrechnung, die alle wesentlichen Einflüsse
berücksichtigt.

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3.1. Typische Ventilatorenspektren

Der Ventilator ist die bedeutendste Lärmquelle in lüftungstechnischen Anlagen.
Ventilatoren liefern ein Geräuschspektrum, dass von den tiefsten, gerade noch als Schall
wahrnehmbaren Frequenzen, bis über 10000Hz reicht.

Bild 15 Ventilatorenspektren

Der in den Luftkanal eingestrahlte Schallleistungspegel kann näherungsweise aus dem
Volumenstrom und dem Gesamtdruckverlust des Ventilators im Betriebspunkt berechnet
werden. Unter Berücksichtigung der Drehzahl wird aus dem unbewerteten
Schallleistungspegel Lw durch Nutzung von normierten Spektren (z.B. in VDI 2081) das
Oktav-Schallleistungspektrum und der Schallleistungspegel in dB(A) gewonnen.
Liegt der Arbeitspunkt des Ventilators außerhalb des optimalen Bereiches oder gar
außerhalb der Kennlinie, ist mit deutlichem Pegelanstieg zu rechnen. Besonders hohe
Pegel sind beim sog. Drehklang und dessen ganzzahlige Vielfache zu erwarten. Auch
das angeschlossenen Kanalsystem hat Einfluss auf die Schallleistung des Ventilators .
Für die Schalldämpferauslegung wird vorzugsweise das Oktav-Schallleistungspektrum
aus Herstellerangaben genutzt.

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3.2. "Natürliche" Dämpfung von Anlagenbauteilen

Bögen, Abzweige, Wärmeaustauscher - im Grunde genommen alle Bauteile der RLT -
Anlage - übertragen den Störschall des Ventilators nicht "verlustlos" bis zum
Einwirkungsort. Ist die Minderung der übertragenen Schallleistung durch das Bauteil
bekannt, so kann dieser Wert in der Pegelrechnung berücksichtigt werden. Die
Berücksichtigung dieser "natürlichen Dämpfung" führt zur Verkürzung der notwendigen
Schalldämpferlänge. Allerdings steigt das Risiko, die Anlage "akustisch zu knapp auszulegen", da im tieffrequenten Bereich erhöhte Planungsunsicherheit besteht. So sind
die relativ hohen Dämpfungswerte für rechteckige Luftkanäle dadurch bedingt, dass die
Schallleistung über die Kanalwand in die Umgebung abgestrahlt wird. Es ist sicher wenig
hilfreich, den Schalldämpfer kürzer zu bauen und stattdessen die Luftleitung mit
Schallisolierung zu versehen.

Nachfolgend sind einfache Beispiele für die Pegelminderung durch Anlagenkomponenten
aufgeführt:

Bild 16 Dämpfung von Komponenten

Die tatsächlich erzielbare Dämpfung ist herstellerspezifisch und hängt vom Einbauort
und von der Baugröße ab und, so daß diese Werte nur als Orientierung dienen können.

Weiterhin tritt an Luftleitungsenden bzw. -durchlässen eine Reflexionsdämpfung auf, die
von der freien Durchlassfläche und der Lage der Öffnung abhängig ist (siehe VDI 2081).
Die Anwendung der Mündungskorrektur bei kleinen Räumen und Räumen mit
Luftleitungen ist problematisch. Grundsätzlich sollte der Schalldämpfer nahe dem
Ventilator angeordnet werden und eine ausreichende Dämpfung besitzen. Auf diese
Weise wird die schwierig zu beherrschende Ausbreitung von tieffrequentem Schall im
Gebäude vermieden.

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3.3 Strömungsgeräusche
Eine der häufigsten Ursachen für die Überschreitung des zulässigen Schallpegels ist,
dass die Eigengeräuschentwicklung der Bauteile nicht beachtet bzw. unterschätzt wird.
Strömungsgeräusche in der Luftleitung oder am Luftdurchlaß können die Wirkung des
Schalldämpfers aufheben bzw. den Schallpegel am Nachweisort vollständig bestimmen.
Das Eigengeräusch eines Bauteils sollte deshalb mindestens 6 dB unter dem Geräusch
liegen, das vom Ventilator an dieser Stelle zu erwarten ist - andernfalls wird es im
Kanalsystem mit wachsender Entfernung vom Ventilator lauter, d.h. der Geräuschpegel
nimmt nicht ab, sondern zu! Schwerpunkte sind dabei Drosselklappen bzw.
Volumenstromregler und Luftdurchlässe, aber auch das Strömungsrauschen des
Schalldämpfers selbst kann dazu führen, dass der Schalldämpfer wirkungslos wird.
Da die Druckverlust- und Eigengeräuschangaben der Hersteller stets von idealer
Anströmung ausgehen, ist auf eine strömungsgünstige Anströmung der Schalldämpfer zu
achten bzw. mit Sicherheiten zu planen.
In erster Linie sind Herstellerangaben heranzuziehen.
Aus den Gleichungen nach Bild 17 lassen sich nur Tendenzen ableiten. Ein wichtiger
Zusammenhang ist erkennbar: (57...70 lg v). Eine 10=%ige Verringerung der Anströmgeschwindigkeit bewirkt demnach ein um 3 dB geringeres Strömungsgeräusch,
eine Halbierung der Geschwindigkeit gar eine Reduzierung um 18 dB(A).


Bild 17 Strömungsgeräusche (Abschätzung nach VDI 2081)

Hinweise:

  • Pegeladdition bei mehreren Auslässen s.a. Abschnitt 2.4.
  • Bei hohen Strömungsgeschwindigkeiten wird neben dem Strömungsrauschen der Bauteile ein weiterer Effekt wirksam: Dünnwandige Blechkanäle werden durch turbulente Durckschwankungen zu Schwingungen angeregt und erzeugen auf diese Weise tieffrequenten Schall. So kann es trotz ordnungsgemäßer Auslegung der Komponenten passieren, das der zulässige Pegel am Zielort überschritten wird. Weiteres siehe Schrifttum (5.)
  • In einzelnen Fällen, z.B. Undichtigkeiten, treten Spalt- oder Schneidengeräusche auf, die sich durch Pfeifen oder "Zwitschern" sehr unangenehm äußern können. Hier helfen häufig Abdichtmaßnahmen, aber auch geringfügige Änderung der Strömungsgeschwindigkeit, sind - soweit vertretbar - hilfreich.

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3.4 Schallübertragung über Kanalwände

Kanäle werden meist aus dünnem Stahlblech gefertigt. Für tieffrequenten Schall ergibt
sich bei rechteckigen Bauteilen eine sehr niedrige Dämmwirkung, so daß zwar einerseits
nur ein Teil der Schallleistung weitergeleitet wird (daraus resultiert die hohe
Längsdämpfung der Kanäle), aber andererseits ein beträchtlicher Teil des tieffrequenten
Lärms in den umgebenden Raum gelangt.
Um zu vermeiden, daß der durch die Kanalstrecke verursachte Pegel im Raum zu hohe
Werte annimmt, ist die sicherste Methode, einen ausreichend bemessenen Schalldämpfer
möglichst nahe an der Lärmquelle (Ventilator) zu positionieren. Andernfalls muß die Luftleitung mit einer Schallisolierung nach dem Doppelmantelprinzip lückenlos umgeben
werden. Auf diese Weise lassen sich, je nach Ausführungsart, Pegelminderungen von
über 25 dB(A) erzielen.


Bild 18 Schallübertragung über geschlossene, rechteckige Luftleitungen

Die Berechnung des im Raum zu erwartenden Schalldruckpegels aus dem
Schallleistungspegel Lw2 geschieht nach 2.5.2.
Auch der Fall, dass Lärm in einen Kanal vor allem über die Luftdurchlässe ein- und
abgestrahlt wird, kann zu Problemen führen. Luftleitungen, die Räume miteinander
verbinden, stellen Schallbrücken dar, die den Dämmwert von Gebäudedecken- und
wänden erheblich herabsetzen können und so Spachübertragung (sog. Telefonie)
verursachen. Dieses sehr störende Phänomen muss durch ausreichend dimensionierte
Schalldämpfer unterbunden werden (VDI 2081 Blatt 2). Hierfür werden häufig flexible
Schalldämpfer, sog. "Flexible Telefonieschalldämpfer" eingesetzt, die unmittelbar in
Luftdurchlassnähe installiert werden. Es sind jedoch auch starre Rohrschalldämpfer und
Kulissenschalldämpfer (Absorptionsschalldämpfer) für diesen Zweck einsetzbar.

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3.5 Maximale Pegel am Einwirkungsort

Richtwerte für den Beurteilungspegel sind in der TA Lärm, sowie - speziell in Bezug auf die Raumbelüftung - in der VDI 2081 und DIN EN 13779 enthalten.

Bild 19 TA Lärm

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4. Schallschutzmaßnahmen
4.1 Geräuschursachen und Maßnahmen


Die folgende Tabelle zeigt wesentliche Ursachen der Lärmentstehung und mögliche
Gegenmaßnahmen.

Schallentstehung/Ausbreitungsweg
  
Maßnahme
  
Geräuscheinstrahlung und -fortleitung vom Ventilator in saug- und/oder
druckseitig angeschlossene Kanäle
  
Einbau von Schalldämpfern vor und hinter dem
Ventilator
Schallübertragung von Geräuschen aus dem Kanal über die Kanalwände in angrenzende Räume
  
schalldämmende Ummantelung
Schallübertragung aus lärmerfüllten Räumen in das Kanalsystem
  
schalldämmende Ummantelung, Schalldämpfer
Geräuschabstrahlung des Ventilator- bzw.
Gerätegehäuses in den umgebenden Raum
  
schalldämmende Ummantelung
Schallschutzkapsel
Geräuschübertragung von einen Raum in den anderen über den Ausbreitungsweg Luftdurchlass - Kanal-Luftdurchlass
  
Einbau von Telefonieschalldämpfern in den
Übertragungsweg
Geräuschentstehung in der Kanalleitung an
Drosselstellen, Wetterschutzgittern,
Volumenstromreglern, Luftauslässen u. dgl.
  
niedrige Strömungsgeschwindigkeit,
optimaler Betriebspunkt, ggf. Schalldämpfer
Entstehung von Körperschall und Körperschallfortleitung über das
Kanalnetz bis in Räume mit Ruheanspruch
Unterbrechung des Ausbreitungsweges durch flexible Anschlüsse schwingungsgedämpfe Anhängungen und
Auflager, keine starren Verbindungen zum Mauerwerk
  
Übertragung von Schwingungen vom Aggregat auf das Fundament und
den Baukörper
  
schwingungsisolierte Aufstellung des
Aggregates und dämpfende Zwischen lagen
Geräuschentstehung durch Kanalwandschwingungen
infolge von turbulenten Druckschwankungen
niedrige Strömungsgeschwindigkeiten,
strömungsgünstige Leitungsführung, Versteifungen (Sicken, Streben)


Bild 20 Lärmursachen und Gegenmaßnahmen

Insgesamt müssen also stets mehrere Möglichkeiten in Betracht gezogen werden. Eine
wesentliche Maßnahme ist der Einsatz von Schalldämpfern, wobei in diesem Rahmen
speziell auf die Kulissenschalldämpfer eingegangen wird.

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4.2 Einsatz von Schalldämpfern
Schalldämpfer besitzen grundsätzlich die Aufgabe, den von einem Ventilator oder einer
anderen Lärmquelle ausgehenden Schall zu reduzieren, ohne die Fortleitung des
Luftstroms wesentlich zu behindern. Gleich ob runde oder eckige Bauform: In beiden
Fällen strömt die Luft durch Kanäle, deren Wandungen mit absorbierenden
(Absorptionsschalldämpfer) oder reflektierenden (Reflexionsschalldämpfer) Eigenschaften ausgestattet sind.
Zu beachten ist, dass der Ventilator sowohl druck- als auch saugseitig etwa die gleiche
Schallleistung in die angeschlossene Luftleitung abstrahlt. Demzufolge sind
Schalldämpfer i.a. in beide Schallausbreitungsrichtungen vorzusehen. Die Luftrichtung hat
bei Geschwindigkeiten bis ca. 20 m/s keinen nennenswerten Einfluss auf die Dämpfung
des Schalls, es kann also saug - als auch druckseitig auf gleiche Weise gerechnet
werden.

Kulissenschalldämpfer lassen sich wegen der variablen Maße, Breite, Höhe, Länge,
Kulissendicke, Spalt und der Möglichkeiten, unterschiedliche Kulissentypen einzusetzen,
sehr gut an die Schallschutzaufgabe anpassen.

Bild 21 Kulissenschalldämpfer, grundsätzliche Maße


Der Druckverlust muss aus Gründen der energetisch günstigen Betriebsweise und des
Strömungsgeräuschs (Eigenrauschen des Schalldämpfers) begrenzt werden. Der maximale Druckverlust für Schalldämpfer in Luftleitungen sollte 50 Pa nicht überschreiten. Bei der Planung von Anlagen mit sehr hohen Schallschutzansprüchen sind Werte unter 20Pa üblich.

Die Auslegung der Schalldämpfer ist stets unter Berücksichtigung des Volumenstroms
vorzunehmen.

Die erforderliche Einfügungsdämpfung des Schalldämpfers wird wie folgt berechnet:

Alle Größen sind mit Ausnahme der (vereinfachten) Ausbreitungsdämpfung
frequenzabhängig. Die Ermittlung der Einfügungsdämpfung ist für jedes Oktavband im
Frequenzbereich von 63 Hz bis 8 kHz durchzuführen.

Hinweis:
Die Rechnung mit der sog. 250 Hz Methode führt zu Fehlern und kann nicht empfohlen werden.


Da der zulässige Schalldruckpegel i.a. nur als Summenpegel vorgegeben wird (TA-Lärm), ist die Dämpfung De nicht eindeutig festgelegt, d.h. es kann mit unterschiedlichem
Dämpfungsspektrum das gleiche Ergebnis erreicht werden. Es ist jedoch im Interesse
geringer Schalldämpferlängen, niedriger Kosten und energetisch günstiger Betriebsweise
durch Kombination von Absorptions- und Resonanzschalldämpfern eine möglichst gute
Anpassung der frequenzabhängigen Dämpfungscharakteristik des Schalldämpfers an das
Geräuschspektrum anzustreben.

Nach dem Dämpfungsmechanismus können folgende Typen unterschieden werden:

  • Absorptionsschalldämpfer
    Die durch den Schall bedingten Schwingungen der Luftmoleküle werden im porösen
    Absorptionsmaterial abgebremst. So wird die Schallenergie letztlich in Wärmeenergie umgewandelt. Schalldämpfer, die nach dem reinen Absorptionsprinzip arbeiten, besitzen hervorragende Dämpfungswerte bei mittleren und hohen Frequenzen. Für tiefe Frequenzen sind Absorptionsschalldämpfer uneffektiv, da die Absorberschichten sehr dick ausgeführt werden müssen, was sehr voluminöse Schalldämpfer zur Folge hat.
  • Resonanzschalldämpfer
    Der Begriff "Resonanzschalldämpfer" steht für unterschiedliche Konstruktionsprinzipien, denen gemeinsam ist, dass eine Feder, meist in Form eines Luftvolumens, in Verbindung mit einer akustischen Masse, z.B. einer den Luftraum abschließenden Platte, zur Resonanz angeregt wird. Dieser Effekt ist im wesentlichen auf tiefe Frequenzen und auf eine bestimmte Frequenz beschränkt, kann jedoch durch Hintereinanderschaltung unterschiedlich abgestimmter Resonatoren über einen breiteren Frequenzbereich wirksam sein. Obwohl Resonanzschalldämpfer prinzipiell nicht auf poröses Absorptionsmaterial angewiesen sind, kann durch eine zusätzliche Bedämpfung des akustischen Resonanzkreises eine breitbandigere Wirkung erzielt werden.
  • Kammer- Absorptionsschalldämpfer
    In der Raumlufttechnik werden häufig sogenannte Kammer- Absorptionskulissen
    eingesetzt. Bei diesem Typ wird der Absorber (Mineralwolle) halbseitig durch ein dünnes Vollblech abgedeckt. Im Inneren der Kulisse bildet der Kulissenrahmen in Verbindung mit einem Schottblech eine Kammer. Die Masse des Vollbleches und das Kammervolumen bewirken im Zusammenspiel einen Resonanzeffekt, während die nicht abgedeckte Kulissenoberfläche als Absorber wirksam wird. Die Resonanzfrequenz ist auf etwa 250Hz abgestimmt. Gegenüber dem "reinen" Absorptionsschalldämpfer kann eine Dämpfungsverbesserung von etwa 6 dB bei 250 Hz (Spaltmaß 100mm, Schalldämpferlänge 1000mm) erzielt werden.
  • Aktive Schalldämpfer
    Eine interessante Möglichkeit bieten Schalldämpfer mit elektroakustischem Wirkprinzip (Antischall oder elektronisch verstärkte Resonatoren) an. Der Vorteil dieser Technik liegt vor allem darin, dass auf kurzer Länge hohe Dämpfungswerte ohne zusätzlichen Druckverlust erreichbar sind. Allerdings funktionieren aktive Schalldämpfer, ähnlich wie die passiven Resonanzschalldämpfer, nur im unteren Frequenzbereich, so dass in vielen Fällen ein zusätzlicher Absorptionsschalldämpfer erforderlich wird. Hinzu kommt, dass es ratsam ist, die Einbaubedingungen zuvor zu prüfen und eine vorbereitende Messung durchzuführen. Dies mögen die Ursachen sein, weshalb sich aktive Schalldämpfer trotz der Serienreife bisher nicht in großem Umfang durchsetzen konnten.

Das folgende Bild zeigt den prinzipiellen Dämpfungsverlauf unterschiedlicher
Schalldämpfertypen:

Bild 22 Schalldämpfertypen
Für die Optimierung des Schalldämpfers werden von den Firmen entsprechende
Auslegungsprogramme angeboten.
Aufgrund verschiedener Nebenwege, wie

  • Körperschallfortleitung in axialer Richtung über das Schalldämpfergehäuse
    und die Kulissenrahmen,
  • Umgehung des Schalldämpfers durch Aus- und Wiedereintritt über die Wandungen des Luftleitungssystems

wird die maximal erzielbare Dämpfung eines Schalldämpfers begrenzt:

Bild 23 Grenzdämpfung nach V.Esche

Das Grenzdämpfungsmaß kann durch folgende Maßnahmen erhöht werden:

  • Unterteilung in mehrere, körperschallisolierte Teilstücke
  • Ummantelung des Schalldämpfergehäuses (Doppelmantelprinzip)
  • Aufkleben von Schwerfolie bzw. Antidröhnbeschichtung auf das Gehäuse
  • Elastische Lagerung der Kulissen auf Moosgummi o. dgl.
  • Vermeidung des direkten Kontaktes der Kulissenrahmen von hintereinander
    folgenden Einzelkulissen durch elastisches Material
  • Einsatz von Kompensatoren (Elastikkanälen bzw. Stutzen) in Schallrichtung vor
    dem Schalldämpfer
  • Anordnung von Einzelschalldämpfern in getrennten Räumen
  • Anordnung von Resonanzschalldämpfern an erster Stelle, also vor dem
    Absorberteil und nahe der Schallquelle

Nach den Regeln der RAL-Gütegemeinschaft Schalldämpfer werden Dämpfungsangaben
der Hersteller grundsätzlich auf 50 dB begrenzt. Wie das obige Diagramm zeigt, ist dieser
Wert bei tiefen Frequenzen nur mit Zusatzmaßnahmen erreichbar.

Um die schwierig zu beherrschende Schallnebenwegübertragung zu vermeiden, ist es
stets vorteilhaft, den Schalldämpfer unmittelbar nach bzw. vor der Geräuschquelle zu
positionieren und ausreichend zu dimensionieren.

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4.3. Häufige Planungsfehler

Die Ursachen für unzureichend dimensionierte Schallschutzmaßnahmen kommen in
Betracht:

  • Anwendung der "250 Hz Methode" anstelle der Pegelrechnung in Oktaven
  • Grenzschalldämpfungsmaß von Schalldämpfern wird nicht beachtet
  • Schallangaben des Ventilators stimmen nicht für den gewählten Betriebspunkt
  • Strömungsgeräusch des Schalldämpfers zu hoch
  • Unterschätzung des Strömungsgeräusches von Luftdurchlässen, Regeleinrichtungen
    oder Luftleitungsbauteilen
  • Vernachlässigung bereits vorhandener Schallquellen
  • Schallübertragung über Kanalwände in angrenzende Räume bleibt unberücksichtigt
  • Geräuschübertragung von einen Raum in den anderen über den Ausbreitungsweg
    Luftdurchlass - Kanal-Luftdurchlass wird vernachlässigt
  • Einsatz von Schalldämpfern mit unzuverlässigen Herstellerangaben

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5. RAL Gütegemeinschaft Kulissenschalldämpfer

Die RAL Gütegemeinschaft Kulissenschalldämpfer e.V. wurde 1987 mit dem Ziel
gegründet

  • die technischen Daten von Kulissenschalldämpfern nach einer einheitlichen
    Messvorschrift bestimmen zu lassen,
  • eine neutrale Prüfstelle zu benennen, welche Einfügungsdämpfung, Druckverlust und
    Strömungsgeräusch nach festgelegten "Güte- und Prüfbestimmungen" ermittelt,
  • zu überwachen, dass die auf diese Weise ermittelten Daten in den Katalogen und PC-Programmen der Mitglieder verwendet werden,
  • keine negativen Abweichungen zu der zur Erstprüfung eingesetzten Bauart
    einschließlich der verwendeten Materialien zuzulassen
  • durch Wiederholungsprüfungen (Fremdüberwachung), die für alle Mitglieder alle zwei Jahre verbindlich sind, die Einhaltung der Werte dauerhaft zu garantieren
  • strenge Grundsätze in Bezug auf Hygiene und Brandschutz einzuhalten

Mit diesen Regelungen, insbesondere durch die Einschaltung einer neutrale Prüfstelle
(Fraunhofer-Institut für Bauphysik Stuttgart), wurde ein hoher Qualitätsstandard
geschaffen, der über die Forderungen der ISO 9000 ff. hinausgeht.

Der Einsatz von RAL- geprüften Schalldämpfern mit dem Gütezeichen RAL-Gz 595 bietet deshalb ein Höchstmaß an Planungssicherheit.

Hinweis:
Die Mineralwollehersteller sind ihrerseits in einer RAL Gütegemeinschaft organisiert. Das Gütezeichen "Mineralwolle" ist nicht identisch mit dem Gütezeichen "Kulissenschalldämpfer", stellt aber eine Grundvoraussetzung vor allem in Bezug auf die gesundheitliche Unbedenklichkeit dar. RAL - geprüfte Kulissenschalldämpfer sind mit dem Gütezeichen
RAL-Gz 595 gekennzeichnet!

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6. Schrifttum, Normen- und Literaturhinweise

  • VDI 2081 "Geräuscherzeugung und Lärmminderung in Raumlufttechnischen Anlagen"
  • VDI 3803 ?Raumlufttechnische Anlagen "Bauliche und technische Anforderungen"
  • DIN EN ISO 7235 Messung an Schalldämpfern in Kanälen
  • DIN 45 645 Einheitliche Ermittlung des Beurteilungspegels
  • ISO 14163 Leitlinien für den Schallschutz durch Schalldämpfer
  • DIN ISO 9613 Dämpfung des Schalls bei der Ausbreitung im Freien
  • Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm)
  • RAL Gütegemeinschaft Schalldämpfer Güte- und Prüfbestimmungen (2005)
  • Esche, V.: Lüftungstechnische Anlagen und Schalldämpfer. In: Taschenbuch Akustik
    Herausg.: Fasold,W. Kraak, W. Schirmer,W. VT 1984
  • Niehoff, D. Schalldämpfer in RLT-Anlagen IHKS Fachjounal (2008)
  • Technischer Lärmschutz. Herausg.: Schirmer,W. VDI Verlag
  • Niehoff, D: Schwingungsanregung und Schallabstrahlung dünnwandiger Blechkanäle
    Zeitschrift für Lärmbekämpfung 42 (1995) Springer - Verlag
  • Schlender, F., Klingenberg, G.: Ventilatoren im Einsatz, VDI- Verlag 1996
 

Sounds zu Demonstrationszwecken (mp3)

 Geräusch ohne Schalldämpfer zum Download (444 kb)
ohne Schalldämpfer
 

 Geräusch mit Schalldämper zum Download (444 kb)
mit Schalldämpfer (nur mit gutem Kopfhörer hörbar)


Schallschutz-Kompendium

Grundlagen der akustischen Auslegung lufttechnischer Anlagen

1. Stellenwert des Schallschutzes bei der Planung lufttechnischer Anlagen
2 Grundlagen und Begriffe
2.1 Schallwelle
2.2 Schallempfinden des Menschen
2.2.1 Schalldruckpegel
2.2.2 Lautstärke
2.2.3 A - Bewertung
2.2.4 Spektrum
2.2.5 Schallabstrahlung, Schalleinwirkung, Beurteilungspegel
2.3 Schallleistung -Schalldruck
2.4 Pegeladdition (mehrere Schallquellen)
2.5 Schallausbreitung
2.5.1 ...im Freien
2.5.2 ...in Räumen
2.6. Schalldämmung, Schalldämpfung

3. Schallentstehung und Schallausbreitung in lufttechnischen Anlagen
3.1 Typische Ventilatorenspektren
3.2 "Natürliche" Dämpfung von Anlagenbauteilen
3.3 Strömungsgeräusche
3.4 Schallübertragung über Kanalwände
3.5 Maximale Pegel am Einwirkungsort

4. Schallschutzmaßnahmen
4.1 Geräuschursachen
4.2 Einsatz von Schalldämpfern
4.3 Häufige Planungsfehler

5. RAL Gütegemeinschaft Kulissenschalldämpfer

6. Normen- und Literaturhinweise 

Sounds zu Demonstrationszwecken (mp3)

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